"Wir haben unsere Sprache so stark verändert, dass eine neuerliche Übersetzung der Bibel ein großes Projekt wäre."
(Christoph Müller)
Anmerkungen:
Vielleicht muss man ja nicht gleich die ganze Bibel übersetzen, möglicherweise reichen auch erstmal ein paar zentrale Begriffe bis kurze Sätze. Ich bin so frei und leiste etwas Vorarbeit, indem ich mich in folgenden Interpretationen versuche:
- Gottesfurcht = Gott (dem Wesentlichen) Aufmerksamkeit schenken
- Der Herr sei mit dir! = Möge es dir gelingen, wesentlich zu leben!
- Zweifel = kurzfristig verwirrt sein¹
- verachten = als letztlich langweilig erkennen
- Unterwerfung = Prioritäten gerne konsequent leben
- Gehorsam = Ziele, die wir als hochwertig anerkannt haben, nicht aus den Augen verlieren
- Selbstverleugnung (biblisch: Jesus in den Mittelpunkt stellen) = sich definieren über etwas, das über uns als Individuum hinausgeht (Glaube ist Identifikation)
- Seele = das Wesen, das unserer angepassten Erscheinung zugrundeliegt ²
- auserwählt sein = etwas nicht "eigentlich", sondern tatsächlich zu wollen
- Frieden = Frieden im Sinne der Abwesenheit von Entrüstungen und Sorgen, die nichts bringen. („Euer Herz verzage nicht!“)
- ewiges Leben = Anderes bedeutender finden als das 'eigene' Leben
These: Falls wir 1:1-Interpretationen finden, führt das nicht von Gott weg. Im Gegenteil: Die meist kürzere Formulierung unter Einbeziehung des Begriffs "Gott" erhält neue Attraktivität.
Wahrscheinlich fällt auf, dass ich mich nicht befleißigt fühle, den Begriff "Gott" zu übersetzen. Darunter soll sich von mir aus jeder vorstellen, was er mag, oder es von mir aus auch ablehnen, den Begriff in den Mund zu nehmen. Mit "Universum" als Ersatzbegriff kann ich persönlich wenig anfangen, eher mit "Ursprung allen Seins". Ich sehe auch keine Notwendigkeit der Übersetzung. Mehr noch, ich beherzige mit der Nichtübersetzung des Gottesbegriffs das Gebot "du sollst dir kein Bildnis von mir machen" - ein Gebot, das ich schon frühzeitig als sinnvoll empfunden habe.
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¹ Verwirrung ist normal und ein Zeichen von Wachstumsbereitschaft. Wer mit Mehrdeutigkeiten und Ungewissheiten klar kommt, muss nicht verdrängen.
² In der Interaktion mit anderen Menschen entwickeln wir Verhaltensweisen, die unsere Erscheinung ausmacht. Das ist natürlich und zweckdienlich. Mit Seele könnte der originäre Teil von uns gemeint sein.