"Auserwählt sein könnte auch bedeuten: den entschiedenen Wunsch verspüren, einen spirituellen Weg zu gehen." (Christoph Müller)
Anmerkung:
Vorbemerkung: Ich äußere diese Überlegungen in der Hoffnung, deswegen nicht als arrogant angesehen zu werden.
Der im Spruch genannte Wunsch ist dann wahrhaftig verspürt, wenn der Weg tatsächlich beschritten wird. Dies wiederum funktioniert wohl auf Dauer nur, wenn uns das auch etwas gibt, z.B. Freude an der damit einhergehenden gefühlten Gegenwart Gottes.
Nach meinem Kenntnisstand gehen jüdischer und christlicher Glaube von folgendem Aufeinander-Zugehen aus: Gott geht auf uns zu, während wir auf ihn zugehen. Aus dieser Vorstellungswelt heraus werden die Begriffe ‚auserwählt‘ und ‚offenbart‘ anschaulich:
auserwählt = ich habe mich entschieden
offenbart = mir ist klar geworden
Es beschreibt dieselbe Sache, bloß aus einer anderen Perspektive. Und wenn man das auch für Fiktion hält: Schon der Umstand, dass die Begriffe ‚auserwählt‘ und ‚offenbart‘ kurz sind, zeugt von einer gewissen Praxistauglichkeit dieser Begriffe.
"Glaube ist ein Modell, und Modelle werden gemacht, um sich Existentem zu nähern." (Christoph Müller) 🔗
Hintergrundinformation: Wie kam ich überhaupt zu diesem Thema? Ausgangspunkt war die Auseindandersetzung mit dem Begriff 'auserwähltes Volk', ausgelöst durch http://www.glaube-und-gesundheit.de/ und https://www.gra.ch/bildung/glossar/auserwaehltes-volk/. Auf letzterer Seite steht u.a.: "Die meisten modern-religiösen Jud:innen verstehen heute Auserwählung als moralische Verantwortung und nicht als Auszeichnung oder Hervorhebung." Mir kam bei diesen Überlegungen der Aspekt der Motivation zu kurz.
"Nicht der Verstand entscheidet, was der Mensch sucht, sondern die Sehnsucht seiner Seele." (Alexandra Herdt)