Spruch

"Grundrechenarten können nicht außer Kraft gesetzt werden."
(Christoph Müller)

(Bild: ChatGPT)

Mir ist klar, dass ich nicht der erste bin, der auf diesen Sachverhalt hinweist. Vielleicht benutze ich aber einfachere Worte, z.B. Grundrechenarten statt Arithmetik - in der Hoffnung, von mehr Menschen verstanden zu werden.

Beispiel 28.09.26: Die Wohnsituation in Madrid ist sehr angespannt, siehe auch https://www.tagesschau.de/ausland/europa/madrid-proteste-wohnungsnot-100.html

Bei allem Verständnis für die Betroffenen: Die Proteste in Madrid und anderswo können keine Bruchrechnung außer Kraft setzen: Soundsoviel Quadratmeter vorhandener Wohnraum geteilt durch soundsoviel Menschen, die in diesem Gebiet wohnen möchten, macht soundsoviel Quadratmeter pro Person. Preisdeckelungen verschärfen das Problem noch, weil die Begünstigten sich mehr qm Wohnfläche leisten können, und daher keinen Grund haben, sich platzmäßig einzuschränken. Die alte Dame aus dem ARD-Artikel bewohnte z.B. allein über 90 qm.

Auf die Aspekte Wucher und Stadtplanung möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen. Stattdessen frage ich KI:

Frage an Claude: Thema Wucher, allgemein bis speziell im Bereich Wohnungsvermietung: Welche Erfahrungen aus der Vergangenheit gibt es bzgl. Praktikabilität? Inwieweit wurde das Ziel erreicht, und welche Nebenwirkungen mussten in Kauf genommen werden? (Antwort bei Bedarf durch Klick aufklappen)
Wucher und Preisregulierung: Erfahrungsbilanz

1. Allgemein: Wucherverbote und Zinsdeckel
Historie. Begrenzungen von Zinsen und Preisen gibt es seit der Antike: Zinsgrenzen im Codex Hammurabi, Schuldenerlasse bei Solon, Höchstzinsen im römischen Recht, das kanonische Zinsverbot im Mittelalter. Fast überall zeigte sich dasselbe Muster: Die Nachfrage verschwindet nicht, sie weicht aus. Das Zinsverbot wurde durch Rentenkauf, Wechselgeschäfte, Aufschläge und Sonderformen umgangen oder in Randgruppen und Schattenmärkte verlagert. Bentham argumentierte 1787 in seiner „Defence of Usury“ bereits, dass Höchstzinsen vor allem risikoreiche und innovative Kreditnehmer ausschließen. England hob seine Wuchergesetze 1854 auf.
Zieltreue. Gegen extreme Ausbeutung (Kredithaie, offensichtliche Notlagen) leisten Wucherverbote etwas, vor allem als Signal und als Untergrenze der Sittenwidrigkeit (§ 138 BGB, § 291 StGB). Als Preisregulierung im Normalbereich haben sie regelmäßig zu Kreditrationierung, Ausweichen in den Graumarkt und Ausschluss schwacher Bonitäten geführt.
Lehre für die Konstruktion. Ein Wuchertatbestand, der subjektive Merkmale verlangt („Ausbeutung einer Zwangslage“), ist rechtssicher, aber kaum durchsetzbar. Objektive Grenzen (Prozentsätze) sind praktikabel, greifen aber stärker in den Markt ein und erzeugen mehr Ausweichreaktionen.

2. Speziell: Wohnraummiete
Deutschland: Strafrecht und Ordnungswidrigkeit Mietpreisbremse (seit 2015) Härtere Eingriffe: Mietendeckel und Preisstopps Internationale Erfahrungen 3. Bilanz
Ziel erreicht? Teilweise. Der Schutz der jeweils begünstigten Bestandsmieter (Stabilität, geringere Belastung) wird meist erreicht. Das Ziel bezahlbaren Wohnraums für alle, insbesondere für Wohnungssuchende, wird dagegen selten erreicht.
Typische Nebenwirkungen:
  1. Angebotsreduktion: weniger Neubau, mehr Umwandlung in Eigentum, mehr Leerstand oder Zweckentfremdung.
  2. Lock-in-Effekt: Wer eine günstige Wohnung hat, zieht nicht um, sodass Mobilität und Passung zwischen Haushalt und Wohnung leiden.
  3. Dualisierung: Bestands- gegen Neumieter, regulierter gegen unregulierter Markt.
  4. Schwarz- und Graumarkt: Abstandszahlungen, Möblierungsaufschläge, Kettenmietverträge.
  5. Auswahleffekte: Bei knappem Angebot und gedeckelten Preisen entscheiden Vermieter nach Einkommen, Bonität und Herkunft.
  6. Instandhaltungsdefizite bei gedeckelten Bestandsmieten.
  7. Politisch-rechtliche Unsicherheit: Kompetenzfragen (Mietendeckel), Rückwirkungen, Vertrauensverlust bei Investoren.
Wo es besser funktioniert hat: Moderate, „zweite Generation“ genannte Regulierung (Vergleichsmieten, Kappungsgrenzen, Kündigungsschutz) plus Angebotsausweitung durch Neubau und sozialen Wohnungsbau gilt als robuster als harte Preisstopps. Ökonomen sind bei harten Deckeln überwiegend skeptisch, weil das Grundproblem Knappheit ist und Preiskontrollen sie eher verschärfen als lösen. Bei Mieterschutz und Härtefallschutz ist die Einschätzung deutlich differenzierter.

4. Kurzfazit
Reine Wucherverbote sind im Wohnungsmarkt praktisch kaum durchsetzbar, weil die subjektiven Tatbestandsmerkmale nicht beweisbar sind. Preisbezogene Grenzen (Mietpreisbremse, Deckel) sind praktikabler, haben aber Steuerungswirkungen, die ihr Ziel teilweise unterlaufen: Sie schützen die einen und benachteiligen die anderen, nämlich Wohnungssuchende. Der belastbarste Befund aus 100 Jahren Erfahrung ist, dass Regulierung ohne gleichzeitige Angebotserweiterung langfristig am Kernproblem, der Knappheit, nichts ändert.
Bei den Studienangaben (Prozentzahlen, Berliner Inseratszahlen) habe ich aus dem Gedächtnis zitiert. Wenn du sie für Publikation oder Argumentation brauchst, prüfe die Originalquellen oder ich recherchiere sie gezielt nach.

--- Ende des Dialogs mit Claude ---