"Warum werden christliche Lehren so brav totgeschwiegen? Welcher Grund wiegt schwerer - mangelnder Unterhaltungswert, begründete Ablehnung oder Gehorsam gegenüber dem Zeitgeist?" (Christoph Müller)
(Icon: Wottsäpp)
"totschweigen: etwas nicht erwähnen, um den Eindruck zu erwecken, es sei gar nicht existent; dafür sorgen, dass jemand, etwas in der Öffentlichkeit nicht genannt, bekannt wird."
(https://www.duden.de/...)
In diesem Fall unterstelle ich keine Absicht, sondern lediglich Anpassung an ungeschriebene Gesetze. Ein weiteres Beispiel für solche Anpassung:
"Tugenden 'altmodisch' zu finden heißt: gehorsam gegenüber dem Zeitgeist zu sein." (Christoph Müller) 🔗
Zurück zur Sache, also zur christlichen Lehre. Für alle Fälle schon mal vorab: Die populäre Assoziationskette "Glaube = Kirche = Missbrauch" ist mir bereits geläufig. Deswegen die Zusatzfrage zum Spruch des Tages: Wenn etwas zum Teil inakzeptabel ist, ist es dann automatisch in seiner Gesamtheit abzulehnen?
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Eingehende Antworten auf meine erste Frage:
Glaube ist etwas sehr persönliches.
Das Setting muss stimmen, um Religiöses zu thematisieren.
Religion hat für mich in Bezug auf Werte und Moral keine Relevanz (u.U. aufgrund von Unkenntnis infolge vorausgehender gemeinschaftlicher Dethematisierung).
Unterstellte (Nicht-)Antworten:
Störe mich nicht in meiner Komfortzone!
Exotisches, das ich nicht gleich verstehe, muss ich auch nicht beachten.
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"Interessanter ist, was nicht gesagt wird." (Peter Drucker) 🔗
Wo Religiösität nur im Verborgenen thematisiert wird, erkennen Kinder das inituitiv als Tabuthema und halten sich im "echten Leben" damit gleichfalls zurück.
"Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen." (Augustinus) 🔗
Private Anmerkung:
Man verzeihe mir die Denkgewohnheitsstörung! Beabsichtigt ist sie unbestritten.
Maria meinte noch, dass es bereits Menschen gibt, die von christlichen Lehren gar nichts wissen. Ich: korrekt, zum Beispiel DDR-Bürger oder jüngere Menschen. Aber das ist ja bereits die Wirkung des Totschweigens. Und der Spruch spricht eben gezielt Leute an, die "brav totschweigen".
"Weihnachten lädt uns ein, über die Botschaften Jesu nachzudenken - gibt es eine, die dich besonders inspiriert?" (Christoph Müller und ChatGPT) 🔗
Zwischendrin wollte ich netter formulieren: „Warum werden christliche Botschaften so bereitwillig totgeschwiegen?“ (Botschaften statt Lehren, bereitwillig statt brav) Ich habe mich dann bewusst dagegen entschieden.
Persönliche Frage an Karin:
Guten Morgen Karin, darf ich dir parallel zu meinem provokanten Spruch des Tages noch eine persönliche Frage stellen? Du warst doch im Konfirmandenunterricht. Was hast du von da noch mitgenommen ins "echte Leben"? Welche Wirkung hat es gehabt, dass die dort behandelten Themen im weiteren Verlauf deines Lebens in deinem Umfeld (wahrscheinlich) keine Rolle mehr spielten?
Witzigerweise liest Karin gerade die Geschichte "Jesus ist geboren" vor. Das fiel auch Maria auf. ich zu Maria: Dann hat meine Nachfrage doch schon eine Erkenntnis gebracht. Sonst hätte ich das nicht erfahren. In den Status hätte das Karin jedenfalls nicht gestellt.
Wau, vielen herzlichen Dank für die persönlichen Gedanken!
Inwiefern hat dich das denn jetzt weiter gebracht?
Der Einblick in das Verborgene. Der mehr oder weniger erste Satz, dass Glaube etwas sehr persönliches ist. "Intimsphären" möchte ich natürlich grundsätzlich respektieren. Auf der anderen Seite wünsche ich mir aber, dass wir uns etwas trauen. Wenn wir uns zu "unseren Werten" bekennen, fände ich es gut, unsere Einstellung zu Inhalten christlicher Tradition nicht komplett hinter dem Berg zu halten.
[08:55, 7.12.2025] Karin Renz: Ist für mich zumindest keine Frage, dass ich so was nicht von mir preisgeben will, sondern dass das Setting passen muss. Also ausreichend Zeit und Interesse des anderen Es ergibt sich oft einfach nicht Und vermutlich ist es auch oft fehlendes Wissen über religiöse Themen, so dass man das Thema vllt vermeidet, um sich nicht zu blamieren, weil es ja schon zur Allgemeinbildung zählt
Das kann ich gut nachvollziehen. In diesem Prozess sehe ich aber auch das Henne-Ei-Problem. Bei zu viel vorauseilendem Gehorsam verlieren sich die Inhalte umso schneller, oder? Sprich: Wenn es keiner anspricht, dann kennt sich in der Folge auch keiner mit dem Thema aus. Aussage über "theologisch analphabetische Gesellschaft" siehe auch https://must.de/saying/main.jsp?id=1672
Joa, ist halt eine Frage der Prioritäten
Genau!!
Ich hab da mehr Ambitionen mit Lino drüber zu reden als mit meinen Freunden
Das finde ich auch super!
Ich freue mich auch sehr, das mitzubekommen - vielleicht auch gefördert durch meine heutige Initiative?
Tatsächlich waren wir wirklich schon dran.
Klar, ich meine nicht das Vorlesen, sondern das davon Erfahren meinerseits. Ich meinte, womöglich hätte ich ohne meine Konfirmationsfrage nicht das Bild von euerem Bilderbuchlesen zu sehen bekommen.
Aah ja vermutlich
--- Ende des Dialogs mit Karin ---
Deutung:
Egal, ob es um Glauben, Spiritualität oder Bibelkunde geht: In der Regel ¹ wird das gehandhabt wie Ausscheidungen von Exkrementen: Man sorgt dafür, dass - analog zum Verschließen der Klotür - möglichst keiner etwas davon mitbekommt. Kinder erkennen das, sie haben ein feines Gespür für solche Details, denn sie lernen durch Nachahmung. Vielleicht wäre eine entschärfte Bezeichnung für "Gehorsam gegenüber dem Zeitgeist" alternativ "schamhafte Anpassung"?
Antwort, die ich Hanne unterstellen würde: „Ich bestimme hier, wer was thematisiert.“
Helga, die ich persönlich darauf angesprochen hatte, was ihr zu meinem Spruch einfällt, antwortete mit Äußerungen, die einen klar erkennbaren Bezug zu ihrem letzten Post hatte, aber keinen Bezug zu meinem Post.
David hat meiner Erinnerung nach als Kind auch mal gesagt, religiöse Praxis ist in Taize OK, in Deutschland gehört sie nicht hin. (-> Geltungbereich / Klotür)
Ich erinnere mich an Zeiten, in denen ich im Chor gesungen habe. An anschließenden Prozessionen mochte ich nicht teilnehmen. Zweifelsohne sind Prozessionen Abweichungen von der Regel, wie ich sie in der Deutung benannt haben. In Spanien (und in Süditalien vermutlich auch) finden solche Prozessionen übrigens deutlich höhrere Akzeptanz, auch wenn diese Akzeptanz meines Erachtens eher folkloristischer Natur ist.
In meinem sozialen Umfeld geht das ganze oft noch einen Schritt weiter. Analog zum Reflex "Glaube = Kirche = Missbrauch" wird auch gerne die Ablehnung von "Mission" reflexartig artikuliert ("das ist das Letzte").
Nachdem in Antworten der geschützte Rahmen thematisiert wurde, denke ich mir umso mehr, dass es dem Thema gut tut, weniger "heilig" zu sein. Auf diese Weise kann es meines Erachtens alltagstauglicher werden.
Dialog mit David 07.12.25
David Niebuhr: Guten Morgen!
Den letzten Satz verstehe ich noch nicht ganz. Willst du fragen, wie es meinem Umgang mit dem erlernten beeinflusst hat, dass in meinem Umfeld darüber nicht gesprochen wurde?
Hast du den Bezug zu den Themen dieser Zeit auch dadurch evtl. schneller verloren, weil außerhalb von Kirchengebäuden niemand darüber spricht?
Ich meine vor allem die Zeit danach…
Es stimmt sicherlich, dass die religiösen Menschen meines Umfelds, selbst keine Verknüpfung ihrer Werte zu ihrer Religion herstellen, was sicherlich Anteil daran trägt, dass ich Werte und Moral grundsätzlich nie all zu stark dem Glauben zugemessen habe.
Und mir fällt jetzt auch nicht so viel ein, was ich aus der Zeit mitgenommen habe.
Wir können gerne nochmal drüber reden in einem Telefonat.
Christoph Müller: Vielen Dank für deine Antwort!
Interpretiere ich dich richtig, wenn ich als Antwort auf meine Spruch-Frage formulieren: "Religion hat für mich in Bezug auf Werte und Moral keine Relevanz."
Gerne können wir telefonieren. Wann würde es dir mal passen?
Die "christliche Lehre" sehe ich übrigens unter zwei Aspekten: dem möglichen traditionellen Glauben ("Offenbarungsreligion") und der in der Bibel konservierten Lebenserfahrung / Weisheit.
Oder noch krasserer Formulierungsvorschlag: „Dass die christliche Lehre im Müll landet ist nur gut.“
Keine Sorge, du würdest dafür nicht enterbt werden.
David: Das wäre mehr als ich sagen würde, ich stehe dem eher neutral gegenüber.
Christoph Müller: Würdest du dann „irrelevant“ unterschreiben?
David: Aber ja, der Satz mit der Relevanz ist nicht unpassend. Mit der Bibel beschäftige ich mich nicht genug, um die Weisheit mir zu nutze machen zu können.
Christoph Müller: BTW: wie geht es dir sonst?
David: Also diese Woche wird bei mir schwierig. Ich habe Weihnachtsfeier von der Arbeit in Österreich und bin anschließend noch in Kopenhagen verabredet. Nächste Woche kann ich mir am Dienstag oder Donnerstag Abend etwas Zeit nehmen aber eigentlich wäre es ab dem 20. deutlich entspannter für mich. Dann bin ich in Stuttgart und habe frei.
Mir gehts soweit gut. Gibt bei der Arbeit viel zu tun immer aber es ist auch abwechslungsreich. Habe ich dir schon erzählt, dass ich jetzt ein Volleyballteam in Hamburg habe?
Christoph Müller: Das könnte ja diese Kausalitätskette sein: (gemeinschaftliches) Totschweigen -> Unkenntnis -> Nichtverwendbarkeit -> Irrelevanz (rein praktisch bedingt)
David: Ja, kann sein.
--- Ende des Dialogs mit David ---
"Wir sind ordentliche Menschen; wir räumen alles dahin, wohin es hingehört. Schuhe gehören in den Schuhschrank, Glaube gehört in die Kirche, und Witz gehört in die sozialen Netzwerke!" (Christoph Müller)
09.12.25: Habe auch Guntrun darauf angesprochen, aber bislang keine inhaltliche Antwort erhalten.
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¹ Kirchliche Prozessionen sind z.B. Abweichungen von der Regel. Da würde ich mich zugegebenermaßen auch nicht wohlfühlen, wenn ich mitgehen würde. In Spanien finden solche Prozessionen übrigens deutlich höhrere Akzeptanz, auch wenn diese Akzeptanz meines Erachtens eher folkloristischer Natur ist.
22.12.25: Ich musste heute an Matthäus 5:17 denken:
"Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz oder die Propheten außer Kraft zu setzen. Ich bin nicht gekommen, um außer Kraft zu setzen, sondern um zu erfüllen." (Jesus von Nazareth) 🔗
Das könnte man als Plädoyer für Kontinuität verstehen. Statt "wir wissen heute alles besser" vielleicht zu sagen "was wir glauben besser zu wissen basiert auf dem Wissen der Kultur, aus der wir entstammen."
29.12.25: Florian laß mein Wottsäpp-Status "Ich freue mich, dass Jesus in die Welt gekommen ist" und dachte sich "der traut sich was - in dieser säkularisierten Welt".
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